Zum ersten Advent 2021… NEUES von der Welpenklappe e.V.

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

wir haben wiedermal fast ein Jahr hinter uns und wir Leben immer noch in unberechen- baren Zeiten. Wir werden nicht die Hoffnung verlieren. Lieber glauben wir weiter an das Gute…….. und daran, dass alles vorbei geht. Das ist das, woran wir festhalten müssen.

„We all have a Story to tell“
Ist es eine Gute, da lassen wir lieber andere darüber entscheiden. Eine Story über die Pandemie wollen wir aber nicht mehr, abgesehen vielleicht von den 3Gs
getroffen, getan und gerettet!

Ich und Paula müssen uns wöchentlich auf die Waage stellen, wir beide haben etwas zugelegt… und leider müssen wir darauf achten. Zuerst ich, dann die Dame. Ich stelle mich darauf und bam, sie spielt verrückt! Die Zahlen schießen in die Höhe……….“getroffen“ blinkt sie wie ein Wecker, dann ein komisches Geräusch und „getan“. Die Waage ist in’s Jenseits befördert worden. Ich steige herunter. Die Paula lacht „gerettet“.

Verdammt, dann musste es so sein.
Ich war spät für einen Termin, zog mich schnell an. Okay, gebe ich zu, ohne Kleidung dachte ich wäre die Waage netter zu mir. So dann ab aufs Rad, Paula kommt natürlich mit. Sie springt vorne rein und macht es sich bequem. Wir fahren los und ich beeile mich. Manche Kunden haben kein Verständnis für spät ankommen. Mit dem Rad kann ich aber wenn es Stau gibt, einfach schnell zwischen den Autos durchfahren. So habe ich es auch an diesem Tag gemacht.

Die Paula wackelte hin und her und leider verlor ich mein Balance. „getroffen“ In einen Spiegel gekracht, ich konzentrierte mich um nicht umzufallen, habe das auch geschafft „gerettet“. Schuld wollte ich Paula geben, aber ich fuhr einfach zu schnell und auch noch so nah an den Autos… Ich fuhr ein kurzes Stück weiter bis ich die Kontrolle wieder hatte und hielt an.

Ich stellte das Rad ab und sagte zu Paula: „Ich komme wieder Bitch“. Ja ich war sauer auf sie. Ich lief zurück, aber da rannte der Autofahrer mir bereits entgegen, er schrie Morddrohungen vor sich her.

Die Paula bellte hinter mir her, da wusste ich, ich sollte mich in Acht nehmen, so spannte ich mich an und bereitete mich auf den Kampf vor.

Der Mann, so ungefähr in meinem Alter, ein wenig kleiner aber dafür wie ein Stamm gebaut, donnerte auf mich ein und schlug mir auf die Brust, er versuchte mich umzuschmeißen. Er schrie „Fahrerflucht, Sie haben meinen Spiegel kaputt gefahren!“ Eine Faust landete er, einen Direkttreffer, in meinen Bauch. Das tat weh.

Da ich dank Paula vorbereitet war hatte ich mich angespannt und blockierte die Schläge so gut ich konnte mit meinen Armen. Es kamen mehre nacheinander wie geschossen. Ich stand fest und mit der Linken gab ich ihm die Kraft mit Zinsen zurück. Er versuchte dann mit einem lucky Punch durch meine Arme zu landen.

Er zielte aber nicht auf mein Gesicht. Ich kam ihm zuvor und wollte ihn klatschen, übers Gesicht, mit rechts. Das tat ich aber nicht. Irgendwas sagte mir Nein. So öffnete ich meine Arme, zog ihn zu mir und küsste ihn links, rechts und dann direkt auf den Mund.

Ich küsste ihn so fest, wie auf dem Bild, was wir alle im Kopf haben…. vom Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker….. Er sah die Sterne und das Licht ging bei ihn aus.

Ich öffnete meine Arme und hielt ihn fest. Sein Gewicht baumelte an meiner Brust, aber er blieb wie festgefroren. Er atmete tief durch und quengelte schließlich: „Sie haben mich geschlagen. Schlimmer, Sie haben mich geküsst, ich verprügele Sie jetzt aber richtig“. Daraufhin schubste ich ihn weg und so stand er wieder direkt vor mir. „Sie haben Fahrerflucht begangen und ich wollte Sie nur anhalten“. Er hob seine Fäuste hoch und war wieder angriffslustig.

Das war mir nun zu blöd und als ich mich umdrehte um zu gehen, glaube ich, dass wir beiden sahen, was neben uns auf der Strasse stand. Ein Polizeiauto.
Der Polizist sah uns beide durchs Fenster zu. Er stellte seinen Kaffee zur Seite, nahm seine Mütze und stieg aus.

Sofort stellte er sich zwischen uns und verlangte unsere Ausweise. Was für ein Zufall, was für eine Wendung, und genau das haben wir beide, er und ich, auch so gesehen. Es herrschte dann plötzliche Ruhe und wir beide hatten Zeit. Wir atmeten beide schwer, wir beide haben viel eingesteckt und eine Pause war sehr willkommen.

Der Mann dann überraschte mich, er ging einen Schritt auf mich zu und reichte seine Hand, vorbei an dem Polizist, zu mir: „Servus, ich bin Christian Wollmann…. ich dachte, du bist so eine Hallodri, so ein Lump…so ein Dreckskerl der abhauen wollte.“

Ich reichte ihm sofort meine Hand: „Überlegt hatte ich das schon, wer abhaut lebt länger.“

Wir lachten beide. Ich stellte mich ihm auch vor, unsere Hände immer noch zusammen. Irgendwie wusste ich, dass ich einen echten Bayern nur so kennenlernen konnte. Als ich seine Hand los ließ war Mr. Wollmann schon in meinem Herzen.

Der Polizist unterbrach uns und fragte: „Wie geht’s weiter?“
Mr. Wollmann antwortete mit Besonnenheit und bayerischem Charme: „Das regeln wir bei einem Weißbier…. und der Chantal bringt dazu seinen Hund mit, der bezahlt mit Küssen, und ich hoffe er kann es besser!“

Ich nickte und in meinem Kopf merkte ich, dass ich einen neuen Name jetzt haben werde…. Chantal, ich hoffte nur, dass die Paula das nicht hörte.

So war es, kurz vor Weihnachten, wir trafen uns, er brachte mir eine neue Waage, einen Knochen für Paula und ich ihm einen neuen Spiegel.

Ich wünsche euch eine schöne Vorweihnachtszeit, ein friedliches Weihnachtsfest, denkt an das was wichtig sei, wir sind nur Menschen, wir sind „Sinners“, wir alle treffen auf die 3Gs.

Es kommt darauf an, wie wir damit umgehen, wieviel Mensch in uns steckt und was wir daraus lernen…….. Ich sage: getroffen, getan und, mit Hilfe meines Hundes, alles gerettet!

Euer Kevin Harris